Negev Wüste

Das Frühstück am nächsten Morgen wollen wir lieber schnell vergessen, das Büffet wäre von einem deutschen Gesundheitsamt sicher sofort geschlossen worden. Wir kaufen noch eine Israelkarte und hauen ab, Richtung Norden, zu unserem eigentlichen Tourziel: Jerusalem.
Wir hatten beschlossen erst einmal auf „Nummer Sicher“ zu gehen, und das Westjordanland und Palistinensergebiete weiträumig zu umfahren, auch wenn es eigentlich ein Umweg ist. Das bedeutet: Einmal quer durch die Negev Wüste. Von Eilat geht es erst ca. 50km die N90 den Jordangraben entlang. Wir fahren an einigen großen Plantagen vorbei und biegen dann kurz hinter Gerofit in Nord-Westliche Richtung ab auf die L40. Es geht rauf, in die heißen Berge des Negev. Die Fahrt durch die Negev Wüste entschädigt uns ein wenig für den misslungenen Auftakt in Israel, denn hier gibt es wieder eine tolle Landschaft zu sehen.

Nach ungefähr 120km gibt es noch einmal eine Abwechslung, den Ramon Krater, ein großes Naturschutzgebiet in dem zahlreiche Fossilien zu finden sind. Den Nordrand des Kraters führen einige Serpentinen hoch, das macht kurzeitig noch mal richtig Laune. Auf der Höhe, unweit des Wüstenörtchens Mitspe Ramon, gibt es ein Restaurant, wo wir sehr gute Hamburger gegessen haben. Die Stimmung steigt langsam wieder. Weiter geht es, immer der H40 folgend, Richtung Norden. Es ist sehr anstrengend, denn es gibt wieder starke Winde

Ich bin begeistert von diesen Windhosen, die wie „Mini-Tornados“ durch die Wüste ziehen, so etwas habe ich vorher noch nicht „live“ gesehen.
Die Strecke zieht sich ziemlich, ich muss mich sehr konzentrieren bei der Hitze wach zu bleiben. Auf einmal ist Rugard nicht mehr im Rückspiegel. Ich fahre etwa 3km zurück und sehe Rugard (Gott sei Dank) unverletzt am Straßenrand stehen, aber auf der falschen Straßenseite. Er sagt, dass er auf dem Motorrad eingeschlafen ist, und gerade so eben noch mal, vor der Kurve wieder wach geworden ist. Bei mir hatten sich ja ähnliche Symptome gezeigt. Nach 15 Minuten kommt auch Werner zurück. Uns wird klar was wir für einen Fehler gemacht haben. Sich mitten in der Wüste die Bäuche vollzuhauen war extrem unklug. Dadurch muss der Körper, neben dem immensen Flüssigkeitsverlust, noch mal mehr arbeiten. Außerdem war der Vortag extrem lang und anstrengend gewesen, das geht halt nicht spurlos an einem vorbei. (Tipp an alle Motorradfahrer: Mittags in der Wüste nicht so viel Essen !)
Wir machen 10 Minuten Pause und nehmen die letzten 100km durch den Negev unter die Räder. Wir kommen durch Beerscheba, die Wüstenhauptstadt. Dann passiert plötzlich etwas Unglaubliches. Etwa 30km weiter verändert sich die Landschaft schlagartig. Es wird plötzlich alles Grün. Zuerst nur ein paar Gräser und Büsche, dann Bäume und Plantagen. Der Wechsel von absoluter Unfruchtbarkeit und rauhem Wüstenklima zu fruchtbarem Land vollzieht sich innerhalb weniger Kilometer. Dort habe ich die Bedeutung des biblischen Wortes zum ersten Mal richtig kapiert: „Das Land wo Milch und Honig fließt“.

Hier beginnt die neue Nord-Süd Autobahn, die A6, nur noch 70km bis nach Jerusalem.

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